15.07.2026

MINT braucht mehr Erleben und mehr Vorbilder

Das dritte MINT-Vernetzungstreffen Oberösterreichs zeigte einmal mehr: Junge Menschen begeistern wir für Mathematik, Naturwissenschaften und IT am besten durch praktisches Tun, frühes Fördern, mutige Vorbilder und niederschwellige Zugänge. 45 Teilnehmende aus Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und regionalen MINT-Initiativen informierten sich Ende Juni in Linz über vorbildliche Projekte, tauschten ihre Erfahrungen aus und entwickelten Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen in der MINT-Bildung. 

Die 45 Teilnehmenden des 3. MINT-Vernetzungstreffen Oberösterreich lächeln in die Kamera. Die Personen befinden sich auf der Dachterrasse der Business Upper Austria©Business Upper Austria
Das 3. MINT-Vernetzungstreffen Oberösterreich in Linz ©Business Upper Austria

Die MINT-Koordinationsstelle Oberösterreich bei der Standortagentur Business Upper Austria hatte zum Vernetzungstreffen ins Linzer Techcenter geladen. Vertreten waren Schulverantwortliche, die FH Oberösterreich, die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) sowie die Interdisciplinary Transformation University Austria (IT:U), ebenso Unternehmensvertreter, regionale MINT-Manager, Bildungsinitiativen, Stakeholder und Sozialpartner.

Vom Kindergarten in die Luftfahrt

Cornelia Marsch, Manufacturing Engineer beim Luftfahrtzulieferer FACC und Sportpilotin, verlieh potenziellen Vorbildern Flügel. Die Staatsmeisterin im Präzisionsflug schilderte ihren außergewöhnlichen Karriereweg von der Kindergartenpädagogin zur Flugzeugtechnikerin und Pilotin. „Es ist wichtig, Kindern und Jugendlichen früh unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen“, betonte sie. Die Bedeutung von Role Models und dass man MINT-Berufe jungen Menschen gar nicht früh genug schmackhaft machen sollte, zog sich durch die gesamte Veranstaltung.

Mädchen frühzeitig begeistern

„MINT-Begeisterung muss deutlich früher beginnen als erst in der 4. Schulstufe“, appellierte Magdalena Rölz von der Initiative Mintality. Sie begleitet Mädchen von der Schule bis in technische Berufe und setzt dabei auf Vernetzung, Role Models und praxisnahe Projekte, wie die neue MINTORing-Klasse, ein MINT-Freifach nur für Mädchen in der Unterstufe. „Praktisches Erleben, weibliche Vorbilder und positive Erfahrungen sind entscheidend, um stereotype Berufsbilder aufzubrechen“, ist Rölz überzeugt.

mintality.at

 

Begeisterung beginnt im Kindergarten

Josef Eder von der Spürnasenecke setzt schon im Kindergartenalter an: „Wir ermöglichen den Kindern durch eigenes Experimentieren und Entdecken positive Erfahrungen mit MINT-Themen. Vor allem bei der Mathematik müssen Vorurteile und Berührungsängste möglichst früh abgebaut werden.“ Eder setzt sich auch mit den digitalen Lebenswelten heutiger Kinder auseinander: „Digitale Endgeräte machen das Lernen oft eindimensional. Daher sind angewandtes Lernen, Ausprobieren und Begreifen wichtiger denn je.“ Die Herausforderung bestehe darin, Kinder trotz der schnellen Reizwelt sozialer Medien langfristig für komplexe Themen zu begeistern. In der Diskussion kristallisierte sich ein Arbeitsauftrag heraus: Überlegen, wie wir junge Talente erreichen, deren Eltern MINT-Angebote nicht aktiv nachfragen.

spuernasenecke.com

 

Geschichten statt Theorie

Die Curious Crew verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Gründer Milan Kajkut vermittelt Wissenschaft und Technik mit spannenden Geschichten in Bilderbüchern. „So wecken wir die Neugier der Kinder und machen ihnen komplexe Zusammenhänge mit bekannten Erfahrungen aus ihrem Alltag verständlich“, sagte er. „Beispiele aus der Lebenswelt der Kleinen eröffnen einen niederschwelligen Zugang zu MINT-Themen und begeistern die Kinder nachhaltig.“

www.curious-crew.com

 

Entwickeln, Bauen und Ausprobieren

Tüfteln und Experimentieren – das steht im Zentrum des Projekts Junior Maker Pioneers der FH OÖ Campus Steyr. „Bei uns geht es um das Prinzip des ‚Makens‘ – im Sinne von handwerklichem Arbeiten, Basteln und Erfinden. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf erneuerbaren Energietechnologien und Umweltschutz“, erklärte Christian Stadlmann. Acht- bis 14-Jährige aus der Region Steyr können im Makerspace der Steyr-Werke und im Museum Arbeitswelt in Zukunftstechnologien hineinschnuppern. Beim Vernetzungstreffen tauchte der Wunsch auf, dieses Modell über die Region Steyr hinaus umzusetzen. „Transport- und Buskosten stellen aktuell noch eine Herausforderung dar", bedauerte Stadlmann. Auch Chancengerechtigkeit muss bei künftigen MINT-Angeboten ein Thema sein. Dazu berichtete Bernadette Weinreich von der JKU von einem Erfolg: „Uns ist es gelungen, bei den Science Holidays der JKU kostenlose Plätze für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu schaffen.“

juniormakerpioneers.at

 

Jugendliche bei der Berufsorientierung begleiten

Die CAP.future GmbH bietet neben der AHS-Oberstufe eine Mechatronik-Lehre sowie eine Zusatzausbildung in Cybersecurity an. Ein Fokus liegt auch auf der Berufsorientierung, wie in einem neuen Projekt an den Polytechnischen Schulen. „Neben den Jugendlichen möchten wir auch Eltern frühzeitig einbinden, um Potenziale zu identifizieren und Bildungswege erfolgreich zu begleiten“, sagten Franziska Himmerich und Manuel Blum. Im Austausch mit den Teilnehmenden ergaben sich zwei aktuelle Herausforderungen: Erstens braucht es Weiterbildungsperspektiven für Jugendliche nach der Lehre und zweitens verlassen immer mehr Jugendliche das Bildungssystem, nachdem sie die Pflichtschuljahre absolviert haben. Für sie braucht es Angebote, mit denen sie fehlendes Wissen und fehlende Orientierung aufholen können.

www.cap-ausbildung.eu

 

KI als Gesellschaftsthema

Bernd Resch, Professor für Geosocial Artificial Intelligence an der IT:U, betonte: „Künstliche Intelligenz ist längst kein reines Technologiethema mehr, sondern betrifft die gesamte Gesellschaft. Fachwissen entwickelt sich immer schneller weiter und verliert zunehmend rasch an Aktualität.“ Unternehmen müssten daher beim Recruiting umdenken: Statt ausschließlich Abschlüsse und Fachkenntnisse zu bewerten, gewinnen Haltung und Anpassungsfähigkeit an Bedeutung. Resch verdeutlichte dies anhand des Konzepts der T-shaped Personalities: „Menschen verfügen über tiefgehendes Wissen in einem Fachgebiet (der senkrechte Balken des ‚T‘), zugleich auch über breite Kompetenzen in Kommunikation, Zusammenarbeit und interdisziplinärem Denken (der waagrechte Balken).“ Gerade diese Kombination wird für die Arbeitswelt der Zukunft immer wichtiger.

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